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Vappu - oder wie die Finnen feiern

Die Finnen sind berühmt und berüchtigt für ihre traditionellen Feiertage. Der erste Mai führt diese Liste ganz zuoberst an. Ein Fest für Studenten und Arbeiter, ein Fest für den Frühling und ein Fest, bei dem die Finnen ihre Zurückhaltung gänzlich ablegen und ausgelassen spinnen - im positiven Sinn.

Vappu - wieso, weshalb, warum

Das Wort Vappu stammt tatsächlich vom Wort Walburga ab. Walburga war eine angelsächsische Benediktinerin, die während des Mittelalters am 1. Mai heilig gesprochen wurde. Während der Zeit der Hexenhetze im 15. und 16. Jahrhundert glaubte man, dass sich in der Walpurgisnacht vom 30. April auf den 1. Mai die Hexen zu einem Sabbath treffen.

Dem Hexensabbath kommt der Vappu in Finnland nur in einer Sache sehr nahe: es ist auch ein Frühlingsfest. Nicht für Hexen, sondern für die Studenten und Arbeiter. Finnische Studis brachten den Brauch vor genau 155 Jahren aus Schweden mit. Ja, für einmal haben die Finnen die Schweden kopiert. Und auch die traditionellen Studentenmützen wurden den Schweden, genauer gesagt der Universität Uppsala, abgeschaut.

Von Studentenmützen und Statuen

Ausgelassen geht es am vappuaatto, dem Vorabend von Vappu zu und her. In den Städten treffen sich die Studenten und Schaulustige am Marktplatz (tori) und alle, welche die Matura gemacht haben, tragen ihre Studentenmütze. Die Mütze ist weiss, mit einem schwarzen Rand und trägt das Emblem der Universität. Die Mütze wird ausser an Vappu nur zu akademischen Zeremonien aus der Schachtel befreit. Und ganz wichtig - die Mütze wird nie gewaschen. Dies erklärt, weshalb einige der Kappen mehr gelblich als weiss daherkommen. Umso mehr Flecken, umso besser, denn das zeigt, dass man als Student nicht nur brav gelernt, sondern ab und zu auch einfach das Leben genossen hat.

 

Man kommt sich ganz schön merkwürdig vor, wenn man sich plötzlich in einem Meer aus weisser Mützen wiederfindet. Aber die Finnen tragen sie mit Stolz und die grossen Ansammlungen zeigen, wie viele Leute in Finnland studiert haben. Das Bildungssystem geniesst hier einen grossen Stellenwert.

 

In Helsinki wird am Vorabend jeweils durch Studenten einer Fakultät die Statue "Havis Amanda", oder von den Finnen liebevoll "Manta" genannt, sauber geputzt und geschrubbt und Punkt 18 Uhr wird ihr eine Studentenmütze aufgesetzt. Danach geht es zum Feiern zum Dom. Angestossen wird mit Sekt oder Sima, und für einmal fühlt es sich nicht bizarr an, Fremden zuzuprosten.

Finnische Studentenmütze
Finnische Studentenmütze

Es herrscht Ausnahmezustand - Fasnacht im Norden

Und dann wird gefeiert. Und getrunken. Vappu ist einer der wenigen Feiertage, an denen in Finnland Alkohol trinken auf öffentlichen Plätzen gestattet ist. Und getanzt. Und gesungen. Es gibt Paraden, Reden, Konzerte. Die Feierlichkeiten finden im Freien statt. Schliesslich begrüsst man ja den Frühling - auch wenn es nachts noch eisig kalt ist. Umso erwärmender wird dafür die Gesellschaft. Die sonst ach so zurückhaltenden Finnen fallen völlig aus dem Rahmen. Das Schweigen wird gebrochen und man lernt fleissig neue Leute kennen. Es ist ein bisschen wie Fasnacht und für mich als Austauschschülerin war das dazumals Kulturschock pur.

Studentenstädte

Auch in den anderen Studentenstädten im Lande geht es bunt zu und her. Ich habe die Feierlichkeiten in Turku miterlebt. Nur war ich da gerade mal 18 Jahre jung und verstand nicht so recht, was wirklich vor sich ging. In meiner Schule schmierten mir meine älteren Freunde Kohle ins Gesicht. Es ist Tradition, dass die Schüler aus den Abschlussklassen den Jüngeren Streiche spielen. Ich war die einzige Austauschschülerin an meiner Schule und deshalb ein leichtes Opfer. Halb belustigt, halb skeptisch traf ich mich nach der Schule mit meinen Freunden im Park. In Turku, aber auch in den anderen Studentenstädten wie Tampere, Jyväskylä, Joensuu, Lappeenranta, Rovaniemi um nur einige zu nennen, werden an Vappu auch gerne Parteireden geschwungen. Und auch in diesen Städten werden Statuen mit Studentenmützen geschmückt.

So wie hier in Turku, allerdings mit Studentenmütze und nicht mit Federschmuck...
So wie hier in Turku, allerdings mit Studentenmütze und nicht mit Federschmuck...

Der Tag danach - 1. Mai

Am eigentlichen Vappu-Tag geht es dann einiges gemütlicher zu und her. Vielleicht liegt es auch an den Strapazen der vergangenen Nacht. Heute trifft man sich mit seinen Freunden im Park zum Picknick und lauscht friedlich einem Konzert oder einer Rede.  Studenten-Bands ziehen durch die Strassen, Akkordeons und Geigen finden sich zusammen und stimmen bekannte Lieder an. Und alle singen innert kürzester Zeit mit. Ein Chor im Park. Ein Anlass für jung und alt. Manche Studis tragen Blumenketten, andere haben sich verkleidet. Und man sieht die ersten in kurzen Hosen rumlaufen. Ja, schliesslich ist jetzt Sommer! Und es spielt auch überhaupt keine Rolle, dass es erst gestern noch geschneit hat.

Der Platz im Park wird bald knapp. Wie bei einem Festival werden Pavillons aufgestellt, Campingstühle und Tische herbeigetragen. Das mitgebrachte Essen und Getränke werden mit allen rundherum brüderlich und schwesterlich geteilt - hier muss niemand Hunger oder Durst leiden. Kartoffelsalat hier, gegrillte Würste dort. Ich habe mich noch nie so viel über Kartoffelsalat-Rezepte unterhalten wie an Vappu. Und jede Familie hat natürlich ihr eigenes, das "beste" Rezept.

Traditionelles Picknick

Zum traditionellen Picknick gehören nicht nur Kartoffelsalat und Würstchen, sondern auch Fleischbällchen, eingelegter Hering oder HotDogs.

Was wäre ein finnischer Festschmaus ohne Kaffee und Gebäck? Da darf doch etwas Süsses nicht fehlen. Und weil jeder Feiertag in Finnland sein ganz eigenes Backwerk für sich beansprucht, gibt es natürlich auch an Vappu etwas Besonderes: Tippaleipä. Der Teig wird durch einen Spritzbeutel ins heisse Öl gegossen und frittiert.

Genau so beliebt sind dann aber auch Munkki, die frittierten und mit Zucker überschütteten Donuts. Manche sind auch mit Konfitüre gefüllt. Die schmecken ähnlich wie unsere Berliner.

Auf keinen Fall fehlen darf das Getränk Sima. Sima war früher ein Honigbier, heute wird es hauptsächlich aus Wasser, Zucker, Hefe, Zitronen und Rosinen hergestellt. Yep, Rosinen. Die sind besonders wichtig wenn man sein eigenes Sima zusammenbraut. Schweben die Rosinen oben, ist die Hefegärung abgeschlossen und das Sima ist trinkfertig. Anders als das finnische Bier, hat Sima einen sehr niedrigen Alkoholgehalt. Schmecken tut es nach Hefe und Zitrone, darüber urteilen sollte man nur, wenn man es mal probiert hat.

Und noch das letzte Phänomen: die Overalls

Überall sieht man sie während Vappu - die Overalls. Grün, blau, weiss, gelb, pink, violette, braun, schwarz... Doch was hat es damit auf sich? So wie jede Universität ihr eigenes Emblem auf der Studentenmütze zur Schau stellt, hat jede Fakultät Overalls in einer bestimmten Farbe. Die Overalls werden während dem Studium zu Partys und Anlässen getragen. Sie sind deshalb gespickt mit vielen Abzeichen und Badges.

Die spinnen die Finnen - oder etwa nicht?!

Nein, sie haben einfach Spass am Leben und wissen, wie man richtig feiert. No niin, nyt torille!

 

Hauskaa Vappua!

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