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Saivo und Seita - Samische Zeitzeugen

Unberührte, glasklare Seen und ungewöhnlich geformte Felsbrocken gehören zum typischen Landschaftsbild in Lappland. Für die Samen sind viele dieser Orte heilig. So gelten Saivo (See) und Seita (Opferstelle) heute als Zeitzeugen der alten Samischen Religion. Ich nehme euch mit auf einen Ausflug in die Samische Mythologie.

Samischer Grundsatz

Die Samen leben im Einklang mit der Natur. Sie sind der Auffassung, dass das Heilige überall zu finden ist: Tiere, Steine, Pflanzen und Naturphänomene haben alle ihren eigenen Geist. Die Gottheiten und die Verehrung dieser ist Bestandteil ihres Alltages. Die Geister stehen durch ungewöhnliche Orte in der Natur mit ihnen in Kontakt. Zwei dieser Orte sind Saivo und Seita.

Saivo - mystischer See

Saivo ist in erster Linie ein See, der direkt einer Quelle entspringt und keinen Zufluss hat. Diese Seen oder Teiche sind unglaublich klar, haben typischerweise eine runde oder ovale Form und sind bemerkenswert tief. In Lappland gibt es viele solcher Seen und Teiche. Man sagt, dass die Seen einen doppelten Boden haben und durch eine kleine Öffnung miteinander verbunden sind.

Sie sind Kultstätte der Samen. Die Oberfläche des Sees ist bei Windstille glatt und spiegelt die umliegenden Ufer, Felsklippen und den Himmel. Die Ureinwohner Lapplands glauben daran, dass sich auf dem Grund des Sees das Geisterreich befindet. Aufgrund der Spiegelung steht dieses Geisterreich auf dem Kopf. In dem Reich leben die Toten ihr glückliches Leben weiter mit ihren Familien und Ahnen. Sie bauen Zelte, jagen und fischen - genau so wie sie es zuvor auf der Erde getan haben.

Saivos sind heilige Orte und Quellen von Energie und Kraft. Shamane rufen ihre Schutzgeister aus dem Saivo für Hilfe an - zum Beispiel den Saivo-Fisch oder das Saivo-Rentier.

Pakasaivo

Unweit von Äkäslompolo befindet sich Pakasaivo. Der klare See ist von steilen Klippen umgeben und gute 60 Meter tief. Pakasaivo ist nach dem Inarisee das zweittiefste Gewässer in Nordfinnland. Der See wird auch "Hölle Lapplands" genannt.

In rund 12.5 Metern Tiefe hat es eine Sprungschicht, unter der das Wasser sauerstoffarm ist. Oberflächenwasser und Grundwasser vermischen sich aufgrund der windstillen Lage des Sees nie.

 

Der Besuch von Pakasaivo lohnt sich aufgrund der Schönheit des Sees und der Mythologie. Wenn sich die Klippen und der Himmel auf der Seeoberfläche spiegeln und es scheint, als würde sich die Landschaft umkehren, fällt es einem leicht an die Geisterwelt unter dem doppelten Grund zu glauben.

Äkässaivo

Auf der anderen Seite von Äkäslompolo liegt Äkässaivo. Der See ist auf einem rund 3 Kilometer langen Rundweg begehbar. Siehe Elchiors Wandertagebuch. Der See liegt absolut ruhig und die Atmosphäre ist mystisch. Das Wasser ist glasklar und man sieht beinahe auf den Grund des Sees. Seine grüne Farbe ist einzigartig. Der Wald und Himmel spiegeln sich wunderschön auf der Oberfläche - magisch.

Seita - heilige Opferstelle

Seita ist in der Samischen Kultur der heilige Ort der Verehrung und des Opferns. Als Seita dienen ungewöhnlich geformte Steine, grosse Felsbrocken, Steinhaufen oder auch Holzhaufen. Jedes Dorf und viele Familien haben ihre eigene Seita. Vor der Jagd oder dem Fischfang werden der Seita Fleisch oder Fisch geopfert, um den zukünftigen Fang zu sichern.

Wer die Seita nicht ehrt, muss mit Fangverlust oder Krankheit rechnen. Ist die Seita hingegen nicht wirksam, wird sie durch Verbrennen oder Wegwerfen bestraft.

Durch die Verbreitung des Christentums wurden leider viele dieser Kultstätten zerstört. In der Umgebung Äkäslompolo gibt es aber noch drei Plätze, denen Passanten heute noch Tribut zollen.

Kirkkopahta

Kirkkopahta liegt auf dem Weg zu Pakasaivo. Etwas versteckt im Wald auf einer wunderschönen Lichtung thront ein immenser Felsbrocken. Schon wenn man dem kleinen Pfad in den Wald folgt, spürt man die mystische Atmosphäre, die diesen Ort umgibt. Die Seita wird heute noch von Jagd- und Fischvereinen sowie Privatpersonen genutzt. Oft finden sich dort Tierfelle, Geweihe, Münzen und Briefe mit Samischen Symbolen.

Seitakivi

Folgt man dem Weg von Äkäsmylly in Richtung Äkäskero erreicht man nach rund 3 Kilometer den Seitakivi. Ein Opferstein mitten auf einer wunderschönen Waldlichtung mit Aussicht über den Fluss. Hier hinterlassen Besucher vorallem Münzen. Mehr zum Seitakivi erfährt ihr in Elchiors Wandertagebuch.

Seitapahta

Bei Äkässaivo befindet sich Seitapahta, eine rund 30 Meter hohe beeindruckende Felswand. Wer dem Rundweg folgt, erfährt auf verschiedenen Informationstafeln über das Leben am Saivo. Mehr dazu könnt ihr in Elchiors Wandertagebuch lesen.