· 

Langlauf in Ylläs

Der Mond beleuchtet die Loipe auf dem zugefrorenen See. Ich stehe etwas wackelig auf meinen Skiern und versuche den Anweisungen meiner Arbeitskollegin zu folgen. Drei Wintersaisons in Lappland liegen beinahe hinter mir und zum ersten Mal in acht Jahren wage ich mich wieder auf diese dünnen Bretter ohne Kanten.

Nationalsport

Langlauf – Finnischer Nationalsport. Jeder Finne kann es, jeder Finne tut es. Fast jeder Finne besitzt mindestens ein Paar eigene Langlaufskier. Im Februar während den Sportferien sind die Loipen hier sehr belebt. Äkäslompolo, Ylläsjärvi und der angrenzende Pallas- Yllästunturi Nationalpark sind ein wahres Langlaufparadies. Über 330 Kilometer kann man hier bei Bedarf zurücklegen. 38 Kilometer davon sind bis 22:00 Uhr abends sogar beleuchtet. Die Tracks führen bis nach Levi. Jeder findet die geeignete Route. Egal ob Anfänger, Fortgeschrittene oder Profi. Egal ob Klassisch oder Skating.

 

Ich beginne bescheiden und ziehe meine Runden über den See. Erst ohne Stöcke, dann mit. Es dauert eine Weile, bis ich meinen Rhythmus finde. Ich laufe klassisch und versuche so gut es geht in der Spur zu gleiten. Die Loipen sind frisch präpariert, die Bedingungen bei minus 18 Grad ideal. Meine Arbeitskollegin ist geduldig. Sie erzählt mir von all den schönen versteckten Plätzen, die sie beim Langlaufen entdeckt hat. Von all den Loipen, die durch wunderschöne alte Wälder führen und auf denen man alleine in der Natur unterwegs ist. Verschneite Bäume, zugefrorene Bäche, eine grosse Weite und absolute Stille. Von den netten Begegnungen mit den Finnen, die in den Kotas und Lavus ihre Würste grillen und gesellig plaudern. Das Würste-Grillen gehört hier zur Betätigung an der frischen Luft genauso dazu wie das Aufwärmen in der Sauna danach. Manchmal beschleicht mich das Gefühl, dass das Würste-Grillen wichtiger ist als der Sport selber.

 

Natur pur

Ich träume von diesen Erlebnissen und kann es kaum erwarten selber loszuziehen. Nach etwas unregelmässigem Training auf dem See ist es soweit. Eine Kollegin hat mich ermutigt, den See hinter mir zu lassen und in die Wälder Lapplands einzutauchen.

Die Loipe führt bergauf, meine erste Herausforderung. Oben angekommen, schlängelt sie sich durch den Wald wieder runter. Ich habe Respekt vor der Abfahrt, doch meine Kollegin zeigt es mir vor und so gleite ich ganz gemächlich hinter ihr hinunter. Geschafft!
Von hier geht es flach auf dem zugefrorenen Fluss aus Äkäslompolo raus. Die Sonne wärmt uns das Gesicht. Es ist herrlich!

Wir sind alleine und geniessen die Szenerie und die Stille. Die gleichmässige Fortbewegung ist Balsam für Seele und Geist. Fast ein bisschen wie meditieren. Mein Kopf wird an der frischen kühlen Luft ganz leer und leicht. Ohne darüber nachzudenken gleiten meine Beine abwechselnd im Rhythmus in der Spur. Nur der sanfte Swisch-Ton der Skis auf dem Schnee ist zu hören. Nach einer Stunde und einem weiteren Aufstieg erreichen wir ein kleines Loipencafé namens Elämänlukku und kehren ein. Nach der Rückkehr haben wir uns die Sauna verdient!

 

Loipenkarte

Das Langlauf-Fieber hat mich gepackt. Ich plane schon meine nächsten Ausflüge. Dank der Loipenkarte, welche ich mir für 10 Euro gekauft habe, ist dies ganz einfach. Es gibt sie übrigens auch als Online-Version, hier. Und der Betrag geht vollumfänglich in den Unterhalt der Loipen, Kotas und Lavus. Eine gute Sache also. Die Benützung der Loipen ist kostenlos, der Kauf der Karte freiwillig aber empfehlenswert.

 

Tipps und Tricks

  • die Online Version der Loipenkarte kann auch auf dem Smartphone abgerufen werden. Die Karte zeigt auch an, welche Loipen frisch präpariert wurden und wo die Loipenmaschine aktuell in Echtzeit unterwegs ist.
  • die Ausrüstung kann in allen Sportshops gemietet werden.
  • Anfängern empfehle ich die Langlauf-Kurse bei Sisu Outdoors oder Seven Fells Up
  • die Loipen sind so aufgebaut, dass man in den äusseren Spuren klassisch und in der Mitte skating laufen kann.
  • bei längeren Touren empfiehlt es sich ein zusätzliches Ersatzoberteil und evtl. ein zusätzliches Paar Handschuhe mitzunehmen, welche man in der Kota / im Loipencafé wechseln kann, damit man auf dem Rückweg anfangs nicht friert und sich keine Erkältung zuzieht.
  • die Karte zeigt auch die Kotas, Lavus, Loipencafés, Schneeschuhtrails, Fatbikingtrails und Snowmobile Tracks an
  • die Loipen ausserhalb Äkäslompolo (sind mit 2 oder 3 gekennzeichnet) öffnen teils erst Mitte Januar / Mitte Februar