Triftbrücke und Triftgletscher

Nessental, Grimselwelt, Berner Oberland, Schweiz

Elchior unterwegs zur Triftbrücke
Elchior unterwegs zur Triftbrücke

So munter wie auf diesem Foto war ich noch nicht, als Anjas Wecker um 5 Uhr klingelte. Ich hasse früh aufstehen. Anja wollte eigentlich auf der Fahrt nach Nessental zur Triftbahn unterwegs einen Halt in Lungern einlegen, um sich den Sonnenaufgang anzusehen. Allerdings ging ihr Zeitmanagement wiedermal nicht auf und so waren wir viel zu früh dran.

 

Das Ticket für die Triftbahn hatte Anja bereits vorher online über die Webseite der Grimselwelt gelöst und obwohl wir die Bahn um 08:36 Uhr gebucht hatten, durften wir schon mit der ersten Gondel um 08:00 Uhr zusammen mit zwei weiteren Frühaufstehern los. Nach der kurzen Fahrt machten wir uns auf den Weg zur Triftbrücke - ganz schön anstrengend. Aber wir meisterten die 400 Höhenmeter auf dem alpinen, schmalen Wanderweg in einer Stunde. Der Weg beinhaltet Felspassagen und ist teils steil abfallend. Die Wanderung empfiehlt sich deshalb nur trittsicheren und schwindelfreien Personen.

 

Die Ankunft bei der Triftbrücke, einer der eindrücklichsten Fussgänger-Seilbrücken der Schweiz, entschädigt die Strapazen allemal. Die Triftbrücke führt über die gleichnamige Schlucht. Die Aussicht auf den See und das, was vom Triftgletscher noch übrig geblieben ist, ist grandios. Leider war das Wetter früh morgens noch nicht ganz so toll und es wehte uns ein kalter Wind um die Ohren. 

Und jetzt war da also diese Brücke. Und genau die wollte Anja jetzt überqueren und ich fragte mich einen kleinen Moment lang, ob sie wohl wahnsinnig ist. Da rüber?! Ich wünschte mich in den warmen, dunklen Rucksack. Ich bin ein Elch, ich bin nicht schwindelfrei! Aber Anja nahm mich in ihre Jackentasche und so marschierten wir mutig über die schwingende Brücke und zurück.

Bei der Brücke trafen wir auf einen Bergführer. Anja konnte es natürlich nicht lassen, mit ihm zu plaudern. Das kam mir gerade recht, ich musste mich erst etwas von meinem Erlebnis auf der Brücke erholen. Er erzählte uns, dass der Gletscher vor 20 Jahren noch bis zum See reichte. Kaum zu glauben, wie rasant unsere Gletscherwelt schmilzt!

 

Nach und nach kamen immer mehr Wanderer zur Brücke. Es war das letzte Wochenende, an dem die Bahn noch in Betrieb war. So entschieden wir uns, zurück zu gehen. Beim Abstieg zur Talstation kamen uns viele Leute entgegen und wir waren froh, dass wir unser Ticket für die Bahnfahrt vorgängig gebucht hatten.