· 

Blockhausferien in Finnisch Lappland: Sorge tragen zur Umwelt vor Ort

Blockhausferien in Lappland liegen im Trend. Winter für Winter nehmen Touristenströme die kleinen Ortschaften Finnisch Lapplands ein. Sie alle sind begeistert von der intakten, unberührten Natur. Das Paradoxe daran: Genau jene Touristen, die es aufgrund der wunderschönen, einzigartigen Landschaft in den Norden zieht, belasten diese zunehmend.  Dabei ist es relativ einfach, der Umwelt vor Ort Sorge zu tragen. Nachfolgend ein paar ganz persönliche Tipps dazu.

An- und Abreise

Zugegeben: das Nachhaltigste wäre es, gar nicht erst in den Flieger zu steigen, um zu verreisen. Wenn es dann doch sein sollte, kann man sich beim Veranstalter oder der Buchungsstelle erkundigen, wie man vom Flughafen zu seiner Unterkunft kommt. Öffentliche Verkehrsmittel sind meist auf Linienflüge abgestimmt.

 

Veranstalter bieten einen eigenen Transfer an. Absehen sollte man von Privattransfers, da diese für alle Beteiligten vor Ort unnötigen Aufwand generieren und bei den Transportunternehmen zu Leerfahrten führen.

Gute Reps und Gästebetreuer geben sich vor Ort zusammen mit den Transportunternehmen Mühe, die Transfers möglichst kompakt zu organisieren, damit eben keine Leerfahrten entstehen. Bitte zeigt Verständnis für eventuelle längere Wartezeiten. Es macht wirklich keinen Sinn, einen 16-plätzigen Minibus eine Strecke von 50 Minuten mit lediglich zwei Gästen fahren zu lassen.

 

Informiert euch über den nächstgelegenen Flughafen eurer Enddestination. Wenn ihr zum Beispiel die Destination Saariselkä besucht, ist Ivalo der nächste Flughafen, welcher von Finnair angeflogen wird. Die Strecke von Kittilä nach Saariselkä beträgt 214 km, Ivalo ist lediglich 30 km von Saariselkä entfernt.

Recycling

Die korrekte Abfallentsorgung ist auch in Lappland wichtig. In allen Ortschaften gibt es die "Ekopiste". Sie befinden sich meist in der Nähe von Supermärkten. Getrennt wird hier Karton, Papier, Glas, Plastik, Aluminium und Metall.

 

In Finnland herrscht Pfand auf PET-Flaschen, Getränkedosen und Glasflaschen. Rückgabeautomaten befinden sich direkt in den Supermärkten. Zu beachten ist, dass die Flaschen und Dosen in ihrer Originalform zurückgegeben werden müssen. Sind die Behälter zerdrückt, nimmt sie der Automat nicht an.

Foodwaste

Man kauft für eine Woche ein und hat am Ende viel zu viele Lebensmittel übrig. Wohin mit dem ganzen Zeugs? Mitnehmen kann (oder will) man es nicht. Hier hilft eine solide Planung zu Beginn der Woche. Erstmal schauen, ob es im Blockhaus noch geniessbare Lebensmittel wie Reis oder  Pasta von den Vormietern hat. Besser man kauft anfangs nicht zu viel ein und geht halt zwischendurch nochmals in den Laden.

Bleiben Ende Woche trotzdem Lebensmittel übrig, kann man diese entweder für die nächsten Gäste im Blockhaus lassen oder dem Reinigungsteam als Trinkgeld auf den Tisch stellen. Auch für Safari Guides sind Lebensmittel eine willkommene Geste der Wertschätzung.

Es lohnt sich, lokale und regionale Produkte zu kaufen. "Luomu" kennzeichnet organische Produkte, diese sind etwa vergleichbar mit unseren Bio-Produkten in der Schweiz. Zu den lokalen Produkten gehört denn auch Rentierfleisch, welches in vielen Orten direkt bei den Farmen gekauft werden kann.

Souvenirs

Bei den Souvenirs sollte man wirklich lokale Anbieter unterstützen. Jegliche Utensilien aus Rentierleder oder -horn kauft man am Besten direkt bei einer Rentierfarm.

 

In den Besucherzentren der Nationalparks findet man eine gute Auswahl an natürlichen, lokal hergestellten Produkten wie Seifen, Kräutersalze, Kräutermischungen, Ledertaschen, Konfitüren, Sirupe etc.

 

Eine Kuksa (Holztasse) ist immer ein passendes Geschenk. Wer seine eigene Kuksa bei den Aktivitäten mit sich führt, schont zusätzlich die Umwelt. Die Kuksa darf auch gerne beim Besuch im Loipencafé eingesetzt werden. Meine Vision: ein Lappland ohne Pappbecher. Ich arbeite noch an der Umsetzung...

Schonender Umgang mit Ressourcen: Wasser

Das Wasser aus dem Wasserhahn ist in den meisten Orten trinkbar und von ausgezeichneter Qualität. Viele Flüsse und Seen in Finnland haben übrigens Trinkwasserqualität.

 

Im Winter ist es von Vorteil, nicht täglich zu duschen. Gerade bei länger anhaltenden Temperaturen von -20 Grad schadet tägliches Duschen der Haut. Die Haut bildet einen feinen Talg, welcher den Körper warm hält. Beim Duschen entfernt man diese für die Haut wichtige Schicht und man friert dadurch schneller.

 

Nach der Benützung der Sauna sollte man auf Pflegeprodukte wie Duschmittel und Bodylotion verzichten, da diese die geöffneten Poren verstopfen. Sinnvoller Nebeneffekt: es schont auch die Umwelt.

 Anstelle der Verwendung von chemischen Duschmitteln empfehle ich Seifen aus natürlichen Produkten wie Rentierfett, Heidelbeeren, Moltebeeren etc. Zu kaufen gibt es diese Seifen zum Beispiel in den Besucherzentren der Nationalparks.

Schonender Umgang mit Ressourcen: Holz

Ein knisterndes Feuer im Kamin hat seinen Reiz. Man kann es aber auch übertreiben.

Die Finnischen Cheminées sind zu 90% lediglich schön anzuschauen und das Blockhaus lässt sich mit dem Cheminée nicht heizen.

 

In Lappland dauert der Winter lange und die Bäume trotzen den arktischen Verhältnissen. 60 Jahre dauert es, bis eine Lappische Kiefer voll ausgewachsen ist. Und auch dann ist ihr Stamm längst nicht so massiv wie bei ihren Artgenossen im Süden. Ist es wirklich nötig, jeden Abend ein Kaminfeuer zu entfachen? Reicht es nicht, sich diesen Luxus den Bäumen und Wäldern in Lappland zuliebe nur einmal zu gönnen?

Lüftung und Heizung

90% der Finnischen Blockhäuser verfügen über eine Bodenheizung und eine Lüftung, welche sich über den Dampfabzug steuern lässt. Es sollte darauf verzichtet werden, Türen und Fenster unnötig lange geöffnet zu lassen. Ja, wir Schweizer lüften unsere Wohnung oder unser Haus gerne richtig durch. Dies ist bei Finnischen Häusern nicht nötig und kann bei einer Aussentemperatur von -20 Grad dem Haus enorm schaden. Die Folgen: Sanitäre Anlagen und Wasserleitungen frieren ein und es besteht erhöhtes Risiko eines Wasserrohrbruchs.

Finnen bevorzugen in ihren Häusern eine angenehme Temperatur von 20 - 22 Grad. Bei massiven Minustemperaturen kann die Innentemperatur schon mal auf 18 Grad fallen. Kein Grund zur Sorge - meistens dauert es einfach ein paar Stunden, bis die Heizung anspringt und das Haus richtig wärmt. Mein Tipp: Wollsocken überziehen und eine Tasse finnische heisse Schokolade mit einem Schuss Minttu geniessen.

Läuft im Haus die Sauna, fährt übrigens die Heizung runter. Es empfiehlt sich also, die Sauna nach Gebrauch auszustellen. Wer die Sauna 4 Stunden laufen lässt, riskiert kühle Temperaturen in den übrigen Räumen und die Heizung benötigt viel mehr Energie, um wieder in Gang zu kommen.

Safaris

Es gibt unterdessen eine Hülle und Fülle an Safaris, welche die Umwelt weit weniger belasten, als Snowmobile Safaris. Langlauf, Schneeschuhtouren oder Touren mit dem Fatbike erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Man kommt vielleicht nicht so schnell vorwärts wie mit dem Snowmobile, dafür kann man die frische Luft und die Natur ausgiebig geniessen und erreicht abgelegenere Orte. Oder weshalb nicht mal den Wald und die Ruhe in einer Hängematte geniessen? Dies ist zum Beispiel bei HaliPuu in Veitservasa möglich.

Unterstützung der Nationalparks

Die Nationalparks kümmern sich im Winter um die Langlaufloipen und Schneeschuhwanderwege, im Sommer um die Wanderwege und Biketrails. Sie unterhalten die Wildnishütten und kommen für das Feuerholz in diesen auf.

Sie geben Karten mit allen Wegen für die Winter- und Sommeraktivitäten heraus. Diese kostet in den meisten Parks gerade mal 10 Euro und kann in den Besucherzentren oder den örtlichen Supermarkts bezogen werden. Der Betrag unterstützt direkt den nachhaltigen Unterhalt - eine gute Sache also. Es ist ein kleiner Beitrag mit einer grossen Wirkung zum Erhalt der intakten Natur.