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Polarnacht - Kaamos

Mitte Dezember verabschiedet sich die Sonne in Lappland in ihren Winterschlaf. Während rund vier Wochen steigt sie nicht mehr über den Horizont und ist somit nicht mehr direkt zu sehen. Während der Polarnacht sind die Tage kurz und die Nächte lang.

Kaamos nennen die Finnen die Polarnacht. Sie ist das Gegenteil des Polartages, auch bekannt als Mitternachtssonne. Wer aber das Gefühl hat, während der Zeit der Wintersonnenwende sei es in Lappland stockdunkel, liegt falsch. Die Polarnacht zaubert die schönsten Farben an den Himmel. Stahlblau mit Streifen in pink, Pastellfarben, goldene Strahlen und gelb-orange Einflüsse prägen diese kurze, aber intensive Zeit. Wenn bereits Schnee liegt, reflektiert dieser das Licht in einer mond- und sternklaren Nacht und man hat nicht das Gefühl, es sei rabenschwarze Nacht.

 

Von ca. 10:00 Uhr morgens bis 13:00 Uhr mittags hält das Tageslicht an. Davor und danach setzt die Dämmerung ein. Die Dämmerung dauert hier oben im Norden rund 5 mal länger als in Zentraleuropa. Die "dunklen" Tage bieten gute Voraussetzung für das Nordlicht, sofern alle Faktoren mitspielen (siehe Blogpost Nordlichtjagd).

 

Viele glauben, dass die Dunkelheit depressive Gefühle auslöst. Tatsächlich ist der Mangel an Vitamin B3 spürbar. Der Körper braucht länger, um in Gang zu kommen, ist träge und ständig müde. In dieser Zeit hilft es, einem geregelten Tagesablauf zu folgen und viel Zeit draussen einzuplanen. Spaziergänge, Langlauf, Schneeschuhwanderungen oder jegliche Aktivitäten an der frischen Luft helfen dem Körper und dem Immunsystem auf die Sprünge. Interessant ist, dass Milchprodukte in Finnland mit Vitamin B3 angereichert werden. Wem dies zu wenig ist, kann sich im Supermarkt Vitamintabletten besorgen.

Ich hatte bislang diesbezüglich noch nie Probleme mit der Polarnacht. Ich hatte aber bis jetzt auch noch nie richtig Zeit, darüber nachzudenken, denn Dezember und Januar sind für mich die arbeitsintensivsten Monate.

 

Ich mag die Polarnacht, weil man an Tagen mit einem klaren Himmel die wunderbarsten Sonnenuntergänge beobachten kann - und dies bereits um die Mittagszeit. Dann schnappe ich mir an einem freien Tag meine Schneeschuhe und stapfe auf den nächsten Hügel, um die speziellen Lichtverhältnisse zu geniessen.

Und wenn Mitte Januar die Sonne das erste Mal wieder über den Horizont steigt und den Frühling ankündigt, sorgt sie für ein phänomenales Farbenspiel. Die Tage werden spürbar länger, die Nächte kürzer und die Natur und die Menschen erwachen aus ihrer trägen Winterstarre.