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Kiss my Turku

Turku gilt nicht nur als älteste Stadt Finnlands, sondern wird von den Finnen selbst gerne als "Finnlands Hintern" betitelt. Besonders die gelebte Rivalität zwischen den Bewohnern aus Tampere und Turku gibt immer wieder zu reden - und verwickelt auch mich manchmal in hitzige Diskussionen. Dabei hat die Stadt überhaupt nichts "Arschiges" an sich. Im Gegenteil, sie überzeugt mit modernem Charme in traditioneller Atmosphäre. 

Finnlands Hintern

Mit etwas Fantasie betrachtet, sieht die Form Finnlands auf der Landkarte aus wie eine Frau. Und genau an ihrem Hintern befindet sich Turku, deshalb bezeichnen die Finnen die Stadt liebevoll als "Finnlands Hintern". Naja, liebevoll ist leicht übertrieben. Dies habe ich schon als Austauschschülerin während meinem Jahr in Turku am eigenen Leib erfahren. Jedenfalls hat sich die Tourismusorganisation den Spot der eigenen Landsleute zu Nutzen gemacht und vermarktet sich erfolgreich in Anlehnung des Ausdrucks "kiss my ass" unter dem Slogan "kiss my Turku".

 

Mittelalterliches Flair

Die älteste Stadt Finnlands hat viel zu bieten. Turku ist eine der wenigen finnischen Städte, welche über eine Burg verfügt. Auf eine Besichtigung der Turun Linna sollte keineswegs verzichtet werden. Folgt man dem Fluss Aurajoki stadtaufwärts findet man sich beim Dom wieder. "Turun tuomiokirkko" ist übrigens die einzige mittelalterliche Kathedrale Finnlands. Wer sich die imposante Kirche anschaut, sollte auch das kleine Museum im Dachstock besuchen, denn dort können Skulpturen, Kirchenfiguren, Goldkelche und andere Kirchenschätze begutachtet werden. Gleich gegenüber auf der anderen Strassenseite lockt der "Vanha Suurtori". Der Platz galt bis zum grossen Feuer von Turku als Marktplatz. Heute wird von diesem Platz jedes Jahr am Mittag von Heiligabend der Weihnachtsfrieden nach ganz Finnland ausgestrahlt. 

Das Luostarinmäki Freilichtmuseum besteht aus Gebäuden aus dem 18. und 19. Jahrhundert und zeigt das frühe Kunsthandwerk.

Alt - aber keineswegs eingerostet

Wer aber denkt, Turku sei im Mittelalter stehen geblieben, der täuscht sich gewaltig. Entlang des Flusses finden sich viele neue Galerien, hübsche Boutiquen und Trendlokals, wo Feinschmecker auf ihre Kosten kommen. Empfehlenswert sind auch die zahlreichen Restaurantschiffe auf dem Fluss.

Einige ältere Gebäude wurden innovativ umgenutzt. So lässt sich zum Beispiel in der alten Apotheke entspannt Kaffee trinken und Kuchen essen oder in der alten Schule an Originaltischen selber gebrautes Bier trinken. Gutes Bier gibt es auch in der alten Bank oder in einer zum Pub umgebauten ehemaligen öffentlichen Toilette mit dem treffenden Namen "Waterloo Pub". 

Schären, Ruissalo & Naantali

Turku selber bietet viele Pärke und Grünflächen. Wem dies nicht genug ist, verschafft zum Beispiel ein Fahrradausflug auf die Halbinsel Ruissalo Abhilfe. Der Archipelago Trail in die vorgelagerten Schäreninseln steht noch auf meiner Wander-Bucket-List. 

Naantali ist eine kleine Hafenstadt ca. 15 km von Turku entfernt. Wunderschön am Meer gelegen überzeugt das kleine Dörfchen mit schmucken Läden in kleinen Gassen. Aber Vorsicht: in Naantali befindet sich auch Moominworld. Wer im Hochsommer hier unterwegs ist und Touristenströme meiden möchte, erkundet das Städtchen besser früh morgens oder abends.